Kompost anlegen: So produzierst du dein eigenes schwarzes Gold

Kompost anlegen:

In einem einzigen Teelöffel gesundem Kompost stecken mehr lebende Mikroorganismen, als es Menschen auf der Erde gibt. Dieses winzige Ökosystem verwandelt alltägliche Küchen- und Gartenabfälle in nährstoffreichen Humus. Wer einen eigenen Kompost anlegt, schließt damit den natürlichen Stoffkreislauf direkt im Garten. Außerdem braucht man sich künftig keine teure Blumenerde oder künstliche Düngemittel mehr zu kaufen.

Die Natur macht dabei die meiste Arbeit von selbst. Man muss ihr allerdings die richtigen Rahmenbedingungen geben. Dieser Artikel zeigt deshalb Schritt für Schritt, welches System zur Gartenfläche passt und wo man den idealen Standort findet. Dabei besprechen wir die korrekte Schichtung, das perfekte C/N-Verhältnis und den gezielten Einsatz des fertigen Humus im Beet.

Das passende Kompostsystem für deinen Garten finden

Bevor man direkt loslegt, sollte man sich für ein Kompostsystem entscheiden, das zur Gartengröße und zur anfallenden Menge organischer Abfälle passt. Die unterschiedlichen Systeme unterscheiden sich nämlich stark in der Handhabung und der benötigten Zeit bis zur Ernte.

Offene Kompostsysteme aus Holz oder Metall
Der klassische, offene Lattenkomposter ist ideal für mittlere bis große Gärten. Er besteht meist aus massiven Holzbrettern oder stabilen Metallgittern und bleibt nach oben hin offen. Sein größter Vorteil ist dabei die hervorragende Belüftung, da Wind ungehindert durch die seitlichen Ritzen streichen kann. Die Verrottung erfolgt hier über die sogenannte Kaltrotte, was in der Praxis etwa 10-12 Monate dauert. Dieses System lässt sich außerdem durch die offene Form einfach befüllen und bei Bedarf leicht umschichten.

Geschlossene Thermokomposter
Für kleinere Gärten, wo Platz Mangelware ist, eignen sich geschlossene Behälter aus Kunststoff besser. Thermokomposter verfügen dabei über eine dicke, isolierende Schicht, die die natürliche Wärme der arbeitenden Mikroorganismen im Inneren speichert. Dadurch steigen die Temperaturen im Zentrum an, was den Zersetzungsprozess beschleunigt. Unter optimalen Bedingungen kann man deshalb oft schon nach 2-3 Monaten den ersten Frischkompost entnehmen. Zudem sind diese Systeme optisch unauffälliger und schützen den Inhalt zuverlässiger vor Mäusen. Für kleine Ecken hinter dem Geräteschuppen eignet sich dieser Thermokomposter* gut.

Spezialsysteme für den urbanen Raum

Kein eigener Garten? Das ist kein Problem. Selbst auf einem kleinen Balkon oder direkt in der Küche haben sich mittlerweile zwei Systeme bewährt:

Die Wurmkiste arbeitet mit speziellen Kompostwürmern (Eisenia foetida) in einem geschlossenen, gestapelten Behälter. Das System ist dabei nahezu geruchlos und produziert hochwertigen Wurmhumus für Zimmerpflanzen.

Der Bokashi-Eimer ist ein japanisches System, bei dem frische Küchenabfälle in einem luftdicht verschlossenen Eimer mithilfe von zugesetzten Mikroorganismen fermentiert statt verrottet werden.

Kompost anlegen:

Der richtige Standort: Die Basis für schnellen Humus

Der Platz für den Komposter entscheidet darüber, ob die Mikroorganismen effizient arbeiten können. Ein schlecht gewählter Standort führt nämlich zu Stillstand der Rotte oder zu unangenehmen Gerüchen.

Lichtverhältnisse und Windschutz
Man sollte unbedingt einen Platz im Halbschatten wählen. In der prallen Mittagssonne würde das organische Material zu schnell austrocknen, was die Arbeit der zersetzenden Bakterien und Pilze stoppt. Ein völlig schattiger, windstiller Ort fördert hingegen zu hohe Feuchtigkeit und verhindert den nötigen Luftaustausch. Ideal ist deshalb ein Standort unter lichten Laubbäumen oder im leichten Schutz einer Hecke.

Der direkte Bodenkontakt
Der Behälter muss immer auf offenem, gewachsenem Boden stehen. Man sollte als Untergrund niemals versiegelte Flächen wie Betonplatten oder Asphalt verwenden. Nur durch den direkten Bodenkontakt können nämlich Regenwürmer und nützliche Kleinstlebewesen aus der Erde in den Kompost einwandern. Außerdem muss überschüssiges Regen- oder Sickerwasser jederzeit ungehindert abfließen können, um gefährliche Staunässe zu vermeiden.

Tipp: Um das spätere Eindringen von Wühlmäusen von unten zu verhindern, sollte man vor dem Aufstellen ein engmaschiges Metallgitter auf dem Boden auslegen.

Die richtige Schichtung: Ein Bauplan für schwarzes Gold

Wie man die verschiedenen Materialien im Komposter übereinander stapelt, bestimmt nicht nur die Geschwindigkeit, sondern vor allem die Qualität der späteren Rotte. Eine kluge Schichtung garantiert nämlich, dass immer genug Sauerstoff durch den Haufen zirkulieren kann und sich keine Fäulnis bildet.

Schritt 1: Das Fundament (Die Drainage-Schicht)
Die untersten 20-30 cm bilden die unverzichtbare Basis. Hier verwendet man ausschließlich grobes, luftdurchlässiges Material wie gehäckselte Äste, kleine Zweige oder trockenes Reisig. Diese grobe Schicht wirkt dabei später wie ein natürlicher Belüftungsschacht und verhindert zuverlässig, dass das Gewicht der darüberliegenden Schichten den Boden verdichtet.

Wissenswertes: Ein gut geschichteter Komposthaufen kann im Zentrum Temperaturen von bis zu 70°C erreichen. Das ist heiß genug, um ein rohes Ei darin zu garen! Diese Hitze ist dabei entscheidend, um eingeschleppte Unkrautsamen und Krankheitserreger abzutöten.

Schritt 2: Die Mischschichten
Auf die Drainage folgen nun die täglichen Garten- und Küchenabfälle. Man schichtet diese möglichst abwechselnd in dünnen Lagen von etwa 10-15 cm auf. Wichtig ist hier das ständige Wechselspiel: Auf eine Schicht feuchtes, grünes Material wie Rasenschnitt sollte immer eine ausgleichende Schicht trockenes, braunes Material wie Laub folgen.

Damit das Material eine möglichst große Oberfläche bietet und die Mikroorganismen sofort viel Angriffsfläche haben, sollte man alles vor dem Einfüllen zerkleinern. Ein kräftiger [Gartenhäcksler*] macht dabei auch robusten Strauchschnitt in Minuten kompostfertig.

Schritt 3: Die Impfung (Die Starter-Kultur)
Um den Zersetzungsprozess zu beschleunigen, gibt man alle paar Schichten eine dünne Lage fertigen, alten Kompost oder gute Gartenerde hinzu. Das bringt sofort eine große Menge aktiver Mikroorganismen in den noch frischen Haufen, die direkt mit ihrer Arbeit beginnen können.

Schritt 4: Die schützende Abdeckung
Den Abschluss bildet stets eine schützende Schicht aus feuchtem Laub, etwas Grasschnitt oder ein atmungsaktives Kompostvlies. Das schützt nämlich den Kompost vor dem Austrocknen durch Wind und Sonne und hält gleichzeitig die notwendige Rottehitze sicher im Inneren.

Das C/N-Verhältnis: Die richtige Nahrung für die Mikroben

Der Erfolg beim Kompostieren hängt davon ab, welche „Nahrung“ man den Mikroorganismen anbietet. Dabei unterscheidet man zwischen kohlenstoffreichen (C) und stickstoffreichen (N) Materialien.

Die ideale Mischung in der Praxis
Mikroorganismen benötigen viel Kohlenstoff als Energiequelle und gleichzeitig ausreichend Stickstoff für den Aufbau ihrer Zellsubstanz. Das Optimum liegt dabei bei einem Verhältnis von etwa 25:1 bis 30:1. Für die Gartenpraxis bedeutet das: Man mischt immer grob 2-3 Teile „braunes“, trockenes Material mit etwa einem Teil „grünem“, feuchtem Material.

Grünes Material (Stickstoff-Lieferant) sind Küchenreste, frischer Rasenschnitt und grüne, wässrige Pflanzenteile. Braunes Material (Kohlenstoff-Lieferant) sind Herbstlaub, trockenes Stroh, gehäckselte Äste, zerrissene Pappe und feine Sägespäne.

Wenn man im Sommer nur puren Rasenschnitt auf einen Haufen wirft, wird dieser schnell anfangen zu stinken. Der Stickstoffüberschuss entweicht nämlich als Ammoniakgas. Gibt man im Herbst hingegen nur trockenes Laub und Stroh in den Behälter, passiert mangels Stickstoff über Monate hinweg einfach nichts.

Was gehört rein und was muss draußen bleiben?

Nicht alles, was biologisch abbaubar ist, gehört auch in den privaten Gartenkomposter. Eine konsequente Trennung ist dabei wichtig für die spätere Qualität.

Darf ohne Bedenken auf den Kompost: Frische Obst- und Gemüsereste (ungekocht), feuchter Kaffeesatz und alte Teefilter, fein zerkleinerte Eierschalen (liefern Kalzium), unbehandeltes Holz, Zweige und trockenes Laub, unbedrucktes, braunes Papier und Pappe (in kleinen Mengen).

Gehört in den Restmüll oder die Biotonne: Fleisch, Fisch und Knochenreste. Diese tierischen Produkte verrotten langsam und locken Ratten und Marder an. Auch gekochte Speisereste verursachen durch Salz und Fette oft Fäulnisgeruch. Kranke Pflanzen (z.B. mit Mehltau) oder hartnäckige Wurzelunkräuter wie Giersch sollten ebenfalls in der heißen, kommunalen Biotonne entsorgt werden, da sie die kühlere Kaltrotte im eigenen Komposter oft überleben.

Interessant: In Australien lebt das Buschhuhn. Dieser Vogel baut aus feuchtem Laub und Erde natürliche Komposthaufen auf, um tief im Inneren seine Eier abzulegen. Die konstante Hitze der pflanzlichen Verrottung dient ihm dabei als natürlicher Brutkasten!

Kompost anlegen:

Probleme schnell erkennen und natürlich lösen

Manchmal verläuft die Rotte trotz aller Mühe nicht wie geplant. Das ist kein Grund zur Sorge, sondern lediglich ein Zeichen dafür, dass das Gleichgewicht von Sauerstoff, Feuchtigkeit oder der Materialmischung gestört ist.

Bei starker Geruchsentwicklung: Ein fauliger Geruch deutet fast immer auf Sauerstoffmangel durch zu viel Nässe im Haufen hin. Dann hilft nur sofortiges Umsetzen mit der Mistgabel und das Untermischen von trockenem Material wie Holzhäckseln oder Stroh. Ein stechender Ammoniakgeruch zeigt hingegen einen Stickstoffüberschuss an (z.B. durch zu viel frischen Rasen), den man durch die Zugabe von kohlenstoffreichem Laub ausgleichen kann.

Insekten und Schimmel im Behälter: Ein großes Nest Ameisen im Kompost ist oft ein Indikator für Trockenheit im Inneren. Wenn man den Haufen wässert und dabei umschichtet, siedeln die wasserscheuen Tiere meist von allein um. Schwärme von kleinen Fruchtfliegen lassen sich vermeiden, indem man frische Küchenabfälle immer sofort mit einer dünnen Schicht Gartenerde oder trockenem Laub abdeckt.

Weißer, flauschiger Schimmel ist übrigens in moderaten Mengen normal und ein nützlicher Teil des natürlichen Pilzabbaus!

Kompost im Beet einsetzen: So fütterst du deinen Garten

Nach etwa 9-12 Monaten ist der Kompost vollständig gereift. Er duftet nun nach frischer Walderde und hat eine dunkelbraune, krümelige Struktur entwickelt.

Die richtige Ausbringung und Dosierung
Man verteilt den fertigen Kompost bevorzugt im zeitigen Frühjahr oberflächlich auf den vorbereiteten Beeten und harkt ihn nur flach ein. Man sollte ihn niemals tief mit dem Spaten untergraben! Die hart arbeitenden Bodenorganismen benötigen nämlich an der Erdoberfläche Sauerstoff, den sie in der Tiefe nicht mehr bekommen.

Um die feine, krümelige Erde speziell für empfindliche Aussaatbeete zu gewinnen, nutzt man ein klassisches Durchwurfsieb*. Damit sortiert man noch nicht vollständig verrottete Zweige und grobe Stücke aus und wirft sie für die nächste Runde zurück in den Komposter.

Richtwerte für die Dosierung pro m²: Starkzehrer (Tomaten, Kürbis, Kohl) brauchen etwa 3-5 Liter Kompost jährlich. Mittelzehrer (Möhren, Zwiebeln, Salat) benötigen circa 2 Liter Kompost jährlich. Schwachzehrer (Erbsen, Buschbohnen, Kräuter) kommen mit maximal 1 Liter alle zwei Jahre aus.

Für den Rasen kann man im Frühjahr fein gesiebten Kompost verwenden. Etwa 1-2 Liter, dünn auf jeden Quadratmeter gestreut, reichen dabei aus, um die Grasnarbe zu stärken und das Bodenleben zu aktivieren.

Häufige Fragen zum Kompostieren

Darf ich die Schale von Zitrusfrüchten auf den Kompost werfen?
In kleinen, gut gemischten Mengen im normalen Gartenkompost ist das unproblematisch. Die ätherischen Öle verzögern die Rotte nur minimal. In einer kleinen, geschlossenen Wurmkiste sollte man jedoch darauf verzichten, da die Säure den empfindlichen Würmern schaden kann.

Was mache ich mit dem Kompost im Winter?
Im Winter ruht die biologische Rotte meist komplett, sobald es Frost gibt. Man deckt den offenen Kompost am besten mit einer dicken Schicht trockenem Herbstlaub oder einem schützenden Vlies ab. So hält man die Restwärme länger im Haufen.

Brauche ich einen teuren Kompostbeschleuniger aus dem Baumarkt?
Eigentlich nicht. Ein paar Schaufeln bereits fertiger Kompost, etwas gute Gartenerde oder eine Handvoll natürliches Hornmehl wirken als Impfung genauso gut und sind deutlich günstiger als industrielles Pulver.

Ist viel Schimmel im Kompost gefährlich?
Ein feiner, weißer Schimmel ist ein Zeichen für einen gesunden, aktiven Abbauprozess durch holzzersetzende Pilze. Nur wenn der gesamte Kompost im Sommer staubig-trocken ist und gleichzeitig in bunten Farben schimmelt, sollte man ihn wässern und umsetzen.

Wissenswertes: Bestimmte, im Kompost natürlich vorkommende Bodenbakterien (Mycobacterium vaccae) regen beim Einatmen oder Hautkontakt die Serotoninproduktion im Gehirn an. Die Arbeit mit gesunder Erde wirkt also nicht nur entspannend, sondern fungiert als natürliches Antidepressivum!

Weitere Tipps für die Selbstversorgung findest du im Artikel Kartoffeln anbauen.

Für den Start eignet sich diese massive Kompostgabel* mit speziellen Zinken, die das mühsame Umsetzen eines schweren Haufens erleichtert.

 

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