Wie du mit Brennnesseljauche dein Gemüse richtig düngst

Der Frühling zeigt sich von seiner besten Seite und in den Beeten sprießt das erste Grün. Wer genau hinschaut, entdeckt sie oft schon in den hinteren Ecken des Gartens wuchern: die Brennnessel. Sie wird meist argwöhnisch betrachtet und wandert bei der Beetpflege schnell auf den Kompost. Dabei wächst hier ein wertvoller und kostenloser Bio-Dünger direkt vor den Füßen.
Anstatt im Gartencenter zu abgepackten Mitteln zu greifen, kann man sich die Kräfte dieses Wildkrauts einfach zunutze machen. Das schont den Geldbeutel und gibt außerdem das gute Gefühl, genau zu wissen, womit man das selbst angebaute Gemüse versorgt.
Dieser Artikel zeigt, wie man diesen bewährten Pflanzensud herstellt. Dabei erfährt man, worauf es beim Mischen ankommt, für welches Gemüse der Dünger ein Segen ist und wo man besser einen Bogen macht.
Warum die Brennnessel dein wertvollster Helfer im Beet ist
Brennnesseln sind Nährstoff-Sammler. Mit ihren tiefreichenden Wurzeln ziehen sie nämlich Mineralien aus Bodenschichten, an die normale Gemüsepflanzen gar nicht herankommen. Wenn man das geschnittene Kraut in Wasser einlegt und vergären lässt, lösen sich genau diese wertvollen Stoffe und stehen dem Gemüse direkt zur Verfügung.
Für den Garten sind dabei vor allem zwei Bausteine interessant. Zum einen liefert die Pflanze jede Menge Stickstoff. Das ist der wichtigste Motor für ein zügiges und gesundes Blattwachstum. Ohne Stickstoff bleiben die Pflanzen nämlich mickrig und gelblich.
Zum anderen enthält sie reichlich Kieselsäure. Diese Säure legt sich wie ein natürliches Schutzschild um die Zellen der Pflanzen und macht sie wesentlich robuster gegen Pilzkrankheiten. Für Gärtner ist dabei vor allem die kräftigende Wirkung auf das Pflanzengewebe der Clou.
Was du für die eigene Düngerherstellung brauchst
Für dieses Gartenprojekt benötigt man weder ein Labor noch teures Zubehör. Ein paar robuste Grundwerkzeuge reichen nämlich aus, um den ganzen Sommer über frischen Dünger zu produzieren. Wichtig ist jedoch nur die Wahl des richtigen Materials.
Da die Brennnesselhaare auf der Haut brennen, sollte man sich gut schützen. Für diese Arbeit eignen sich dornenfeste Lederhandschuhe*, weil das dicke Material jedes feine Härchen abwehrt. Sie sind außerdem angenehm lang geschnitten und schützen auch die Unterarme.
Um die festen Stängel sauber abzutrennen, ist eine scharfe Gartenschere wichtig. Ein quetschfreier Schnitt schont nämlich die Pflanze, falls sie wieder austreiben soll. Eine ergonomische Bypass-Schere* liegt gut in der Hand und ermüdet auch nach Stunden nicht.
Das wichtigste Element ist der Gäreimer. Man sollte hierfür zwingend Kunststoff, Holz oder Keramik nutzen. Metallgefäße sind dagegen tabu, da die saure Jauche mit dem Material reagieren würde. Ein robuster Kunststoff-Eimer mit einem gut schließenden Deckel* ist ideal, um die Geruchsentwicklung im Rahmen zu halten.

Wann ist der beste Moment für die Wildkraut-Ernte?
Man kann theoretisch die gesamte Gartensaison über frisches Kraut schneiden. Die höchste Nährstoffdichte haben die Pflanzen jedoch im späten Frühling. Am besten erntet man sie kurz bevor sich die ersten Blütenstände bilden.
In dieser Wachstumsphase steckt die ganze Energie der Pflanze nämlich in den Blättern und Stängeln. Genau diese geballte Kraft liefert später die beste Basis für den Dünger.
Man schneidet die Pflanzen einfach eine Handbreit über dem Boden ab. So treiben sie schnell wieder neu aus und man kann deshalb nach ein paar Wochen oft schon die nächste Ladung für die Jauche ernten.
So setzt du die Brennnesseljauche Schritt für Schritt an
Das Ansetzen der Jauche ist unkompliziert und in wenigen Minuten erledigt. Man sucht sich am besten einen warmen Platz im Garten aus, denn Wärme beschleunigt den Prozess der Gärung deutlich.
Zuerst schneidet man die Brennnesseln in grobe Stücke. Etwa 5-10 cm lange Abschnitte sind dabei ideal. Je kleiner die Stücke sind, desto schneller geben sie ihre Inhaltsstoffe ab.
Dann füllt man den Eimer etwa zur Hälfte mit dem zerkleinerten Grünzeug. Es sollte dabei locker im Gefäß liegen und nicht zu fest gestampft werden.
Anschließend füllt man den Eimer mit Regenwasser auf. Leitungswasser geht zur Not auch, aber Regenwasser ist weicher und besser für die Mikroorganismen. Man lässt oben etwa 10 cm Platz, da die Mischung beim Gären schäumen wird.
Nun nimmt man einen stabilen Holzstab und rührt die Mischung einmal kräftig durch. So gelangt nämlich Sauerstoff in das Wasser, was den Start der Gärung unterstützt.
Zum Schluss legt man den Deckel nur locker auf oder nutzt ein feinmaschiges Gitter. Es müssen Gase entweichen können, aber man will gleichzeitig verhindern, dass Tiere in den Eimer fallen.

Woran erkennst du dass die Gärung fertig ist?
In den nächsten Tagen bilden sich kleine Bläschen an der Oberfläche. Das ist ein gutes Zeichen, denn die Mikroorganismen haben ihre Arbeit aufgenommen und spalten die Pflanzenteile auf.
Man rührt die Jauche am besten einmal täglich um. Nach etwa 1-2 Wochen – je nachdem wie warm es ist – hören die Bläschen auf aufzusteigen. Die Flüssigkeit hat sich nun dunkel verfärbt und riecht markant. Das ist der Moment, in dem der Bio-Dünger einsatzbereit ist.
Wenn der Geruch stört, gibt es einen kleinen Tipp: Man streut einfach eine Handvoll Urgesteinsmehl auf die Oberfläche. Das Mehl bindet nämlich die Gerüche effektiv, ohne die Qualität des Düngers zu beeinträchtigen.
Wie du dein Gemüse richtig mit der Jauche düngst
Die fertige Jauche ist ein Konzentrat und darf niemals unverdünnt an die Pflanzen gelangen. Die hohe Nährstoffkonzentration würde nämlich die empfindlichen Wurzeln schädigen. Das richtige Mischverhältnis ist deshalb der Schlüssel zum Erfolg.
Für die meisten Gemüsepflanzen hat sich ein Verhältnis von 1 zu 10 bewährt. Das bedeutet: Ein Liter Jauche kommt auf zehn Liter Gießwasser. Die fertige Mischung sollte dabei etwa die Farbe von hellem Tee haben.
Man gießt den Dünger immer direkt auf den Boden rund um die Pflanze. Dabei sollte man darauf achten, dass die Blätter trocken bleiben. Feuchtigkeit auf den Blättern kann nämlich in Kombination mit der Jauche zu Verbrennungen durch die Sonne führen oder Pilzerkrankungen fördern. Am besten düngt man deshalb an einem bedeckten Tag oder in den Abendstunden.
Welche Pflanzen bei der Jauche-Gabe jubeln
Nicht alle Pflanzen haben den gleichen Appetit. Die Brennnesseljauche ist ein Festessen für alle Starkzehrer. Das sind Pflanzen, die viel Energie benötigen, um ihre Früchte und Blätter auszubilden.
Tomaten stehen dabei ganz oben auf der Liste. Sie profitieren enorm von dem Stickstoffschub und danken es mit gesundem Wachstum. Aber auch Zucchini, Gurken und Kürbisse lieben die regelmäßige Gabe alle zwei Wochen. Kohlarten wie Brokkoli oder Grünkohl sowie Kartoffeln zählen ebenfalls zu den dankbaren Abnehmern.
Allerdings sollte man vorsichtig sein bei Pflanzen, die wenig Nährstoffe brauchen. Erbsen, Bohnen, Zwiebeln und viele Kräuter benötigen kaum zusätzlichen Dünger. Hier würde die Jauche eher schaden und das Wachstum unnatürlich in die Länge ziehen, ohne dass die Ernte besser ausfällt.
Warum der Kaltwasserauszug die beste Hilfe gegen Blattläuse ist
Vielleicht hat man schon gehört, dass Brennnesseln auch gegen Schädlinge helfen. Hier ist es wichtig, zwischen der vergorenen Jauche und dem Kaltwasserauszug zu unterscheiden. Die stinkende Jauche ist nämlich ein Dünger, kein Spritzmittel.
Gegen Blattläuse nutzt man die Brennnessel bereits nach 12-24 Stunden Einweichzeit. In dieser kurzen Zeit gärt noch nichts. Das Wasser hat aber bereits die Brennstoffe der Nesselhaare aufgenommen.
Man seiht die Flüssigkeit ab und füllt sie unverdünnt in eine Sprühflasche. Damit behandelt man dann die betroffenen Blätter der Pflanzen von oben und unten. Das ist eine sanfte und biologische Methode, um Blattläuse loszuwerden, ohne die Nützlinge im Garten zu gefährden.

Antworten auf deine Fragen zur Brennnesseljauche
Häufig erreichen mich Fragen zur richtigen Lagerung oder zur Verwendung der Reste. Hier sind die wichtigsten Punkte für dich zusammengefasst.
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Wie lange ist die fertige Jauche haltbar? Wenn sie fertig vergoren ist, hält sie sich den ganzen Sommer über. Lagere den Eimer am besten schattig und decke ihn ab. Die Qualität bleibt über Monate stabil.
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Was mache ich mit den matschigen Pflanzenresten? Die Reste aus dem Eimer sind hervorragendes Material für deinen Kompost. Sie enthalten immer noch Nährstoffe und fördern die Aktivität der Bodenlebewesen. Du kannst sie auch als Mulchschicht unter deine Beerensträucher legen.
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Kann man auch getrocknete Brennnesseln nehmen? Ja, das funktioniert. Wenn du im Frühjahr keine frischen Pflanzen findest, kannst du auf getrocknete Kräuter aus der Apotheke oder dem Fachhandel zurückgreifen. Die Wirkung ist fast identisch.
Antworten auf deine Fragen zur Brennnesseljauche
Häufig tauchen Fragen zur richtigen Lagerung oder zur Verwendung der Reste auf. Hier sind die wichtigsten Punkte zusammengefasst:
Wie lange ist die fertige Jauche haltbar?
Wenn sie fertig vergoren ist, hält sie sich den ganzen Sommer über. Man lagert den Eimer am besten schattig und deckt ihn ab. Die Qualität bleibt dabei über Monate stabil.
Was macht man mit den matschigen Pflanzenresten?
Die Reste aus dem Eimer sind hervorragendes Material für den Kompost. Sie enthalten nämlich immer noch Nährstoffe und fördern die Aktivität der Bodenlebewesen. Man kann sie außerdem als Mulchschicht unter Beerensträucher legen.
Kann man auch getrocknete Brennnesseln nehmen?
Ja, das funktioniert. Wenn man im Frühjahr keine frischen Pflanzen findet, kann man auf getrocknete Kräuter aus der Apotheke oder dem Fachhandel zurückgreifen. Die Wirkung ist dabei fast identisch.
Weitere Tipps zur natürlichen Düngung findest du im Artikel über Kompost anlegen.
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