Kartoffeln anbauen: Der große Guide für Garten und Balkon

kartoffeln anbauen

Der eigene Anbau von Gemüse ist für viele Hobbygärtner ein Stück Unabhängigkeit und Genuss. Dabei gehören Kartoffeln zu den Basis-Kulturen, denn sie sind robust, einfach zu pflanzen und liefern oft schon im ersten Jahr eine reiche Ernte. Ob im Gartenbeet, Hochbeet oder Pflanzkübel auf dem Balkon – Kartoffelanbau gelingt nahezu überall.

Außerdem sichert man sich nicht nur frische Sommerkartoffeln für den direkten Verzehr. Mit der klugen Wahl der richtigen Sorten legt man sich nämlich einen Vorrat für die kalte Jahreszeit an. Viele Lagersorten halten sich dabei bei richtiger Unterbringung problemlos bis ins nächste Frühjahr. Das macht die Kartoffel deshalb zu einem zentralen Gemüse für die Selbstversorgung. Solche Projekte brauchen allerdings Zeit – Zeit, die man sich nehmen können muss.

Dieser Beitrag begleitet vom Anbau bis zur perfekten Lagerung im Winter. Dabei geht es von der Sortenwahl über die Pflege im Sommer bis zur Ernte und Lagerung. Am Ende gibt es zusätzlich ein frisches Rezept für den nächsten Grillabend.

 

Kartoffeln anbauen: Das spricht für den Eigenanbau

Die Kartoffel (Solanum tuberosum) ist ein anpassungsfähiges Gemüse. Wenn sie einmal in der Erde liegt, wächst sie zuverlässig und verlangt im Sommer nur wenig Pflege. Unter normalen Bedingungen sind dabei etwa ein halbes bis zu einem ganzen Kilo Knollen pro Mutterpflanze realistisch.

Der wichtigste Vorteil gegenüber Blattgemüse ist jedoch die Lagerfähigkeit. Frühe Sorten erntet man nämlich direkt im Hochsommer und verarbeitet sie sofort. Späte Sorten dagegen füllen im Herbst den Vorratskeller für den Winter. Diese Flexibilität macht Kartoffeln deshalb zu einem unverzichtbaren Bestandteil der Selbstversorgung.

Die besten Sorten für Garten & Balkon

Bei Kartoffeln ist die Sortenwahl wichtig, denn sie bestimmt nicht nur den Geschmack, sondern auch den Reifezeitpunkt und die Lagerfähigkeit. Hier sind fünf bewährte Sorten:

Laura erkennt man sofort an der tiefroten Schale und dem goldgelben Fleisch. Sie ist vorwiegend festkochend und wird mittelfrüh reif. Dabei bringt sie sichere Ernten und passt zu unzähligen Gerichten – vom Kartoffelsalat bis zum Gratin. Außerdem lässt sich Laura gut lagern und wächst auch in großen Kübeln auf dem Balkon.

Linda ist eine alte, beliebte und rein festkochende Sorte. Sie liefert gute Ernte und ihr feiner, leicht cremiger Geschmack macht sie vielseitig für Salate, Pellkartoffeln und Bratkartoffeln. Dabei hält Linda bei dunkler Lagerung im Keller ihre Qualität über viele Monate.

Agria ist eine späte, mehligkochende Sorte, die große Knollen ausbildet. Ihr kräftiger, feiner Geschmack ist ideal für Kartoffelpüree, selbst gemachte Pommes oder Ofenkartoffeln. Da sie langsamer wächst, ist sie allerdings erst ab August erntereif. Dafür lässt sie sich jedoch lange und gut lagern, um Wintervorräte abzusichern.

Adretta ist eine frühe bis mittelfrühe, mehligkochende Sorte, die 2009 zur „Kartoffel des Jahres“ gewählt wurde. Sie ist robust und dabei nicht anfällig für Fäulnis. Für eine frühe Sorte lässt sie sich erstaunlich gut lagern. So erntet man nämlich schon früh im Juli und kann gleichzeitig Vorräte für den Winter planen.

Das Bamberger Hörnchen ist eine traditionelle, alte Sorte aus Franken. Man erkennt sie sofort an der langen, leicht gebogenen und knorrigen Form. Sie ist festkochend und besitzt außerdem einen unvergleichlichen, intensiven und leicht nussigen Geschmack. Der Ertrag ist zwar etwas kleiner als bei modernen Sorten, aber für Feinschmecker trotzdem perfekt. Zudem wächst sie auch in tiefen Kübeln.

Deshalb der Rat für die Planung: Man sollte immer eine frühe Sorte zum direkten Verzehr im Sommer und eine späte, haltbare Sorte für den Wintervorrat wählen. So ist man nämlich fast das gesamte Jahr mit eigenen Kartoffeln versorgt.

Pflanzzeit und der ideale Standort

Kartoffeln sind bei Kälte empfindlich und vertragen keinen Frost. Wenn das feine, grüne Laub auch nur eine einzige Frostnacht abbekommt, erfriert es sofort schwarz. Man sollte sie deshalb erst dann in den Garten pflanzen, wenn sich der Boden auf mindestens 8-10 Grad erwärmt hat.

In warmen, milden Gebieten wie Weinbauregionen kann man bereits Anfang April pflanzen. In kühleren Gebieten wartet man dagegen besser bis Ende April oder Anfang Mai. Auf der sicheren Seite ist man jedoch erst nach den Eisheiligen Mitte Mai.

Der Standort sollte außerdem sehr sonnig sein, denn Kartoffeln brauchen Licht und Wärme. Der Boden muss dabei locker, tiefgründig und reich an Nährstoffen sein, da Kartoffeln zu den hungrigen Starkzehrern gehören. Eine feste, lehmige Erde verbessert man deshalb vor der Pflanzung mit reichlich Sand und gutem, reifem Kompost.

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Pflanzkartoffeln richtig vorbereiten & pflanzen

Die Pflanzen wachsen im Frühjahr deutlich schneller und robuster, wenn man die Pflanzkartoffeln vorher vorkeimt. Das ist nämlich ein einfacher, aber wirksamer Trick.

Für das Vorkeimen legt man die Saatkartoffeln etwa vier Wochen vor dem geplanten Pflanztermin offen in leere Eierkartons. Diese Kartons stellt man dann an einen hellen, aber kühlen Ort (ideal sind 10-15°C). Nach wenigen Tagen bilden die Kartoffeln dabei kräftige, kurze und stark gefärbte Keime aus.

Knollen teilen für mehr Ertrag

Sehr große Pflanzkartoffeln kann man vor dem Einsetzen problemlos halbieren. Dabei sollte man allerdings darauf achten, dass jedes Stück mindestens ein kräftiges Auge (einen Keim) besitzt.

Der wichtigste Schritt dabei: Man bestäubt die nassen Schnittflächen sofort mit feiner Holzasche oder pflanzlicher Kohle. Anschließend lässt man die Stücke 1-2 Tage offen trocknen. Durch die Asche und die Luft bildet sich nämlich eine harte Schutzschicht aus Kork auf der Schnittfläche. Das schützt folglich die geteilten Stücke im nassen Boden vor Fäulnis.

Man zieht mit der Hacke tiefe Rillen mit einem Reihenabstand von 60-70 cm. Dann legt man die vorgekeimten Knollen vorsichtig im Abstand von 30-40 cm in die Rille. Die optimale Pflanztiefe liegt dabei bei 8-10 cm. Außerdem sollte man darauf achten, dass die empfindlichen Keime nach oben in Richtung Sonne zeigen.

Anschließend bedeckt man die Knollen locker mit Erde und drückt sie nur leicht an, um sie nicht zu zerquetschen. Man gießt jedoch nur dann leicht an, wenn der Boden staubig und ausgetrocknet ist.

Pflege, Ernte und Lagerung

Die wichtigste Pflege-Regel: Das Anhäufeln

Sobald die Pflanzen etwa 15-20 cm hoch aus der Erde gewachsen sind, greift man zur Hacke. Nun häufelt man lockere Erde von den Seiten direkt an die grünen Stängel der Pflanzen an. Am Ende schauen dabei nur noch die oberen Blattspitzen aus dem kleinen Erdhügel heraus. Man sollte diesen Vorgang nach 2-3 Wochen noch einmal wiederholen.

Dadurch bleiben die wachsenden Knollen nämlich im Dunkeln – andernfalls würden sie im Sonnenlicht giftig grün werden. Außerdem regt man die Pflanze an, in der frischen Erde mehr Wurzeln und damit mehr Ertrag zu bilden.

Kartoffeln brauchen zwar gleichmäßig Wasser, hassen aber nassen, sumpfigen Boden. In heißen und trockenen Zeiten gießt man deshalb lieber seltener (alle paar Tage), dafür aber kräftig und tiefgründig.

Im Sommer sollte man außerdem die Pflanzen regelmäßig auf den Kartoffelkäfer kontrollieren. Seine leuchtend orangen Eier kleben dabei meist in dichten Gruppen auf den Blattunterseiten. Diese Eier streift man frühzeitig mit der Hand ab, bevor die gefräßigen Larven schlüpfen können.

Die Ernte

Frühkartoffeln sind reif, wenn die feine Schale noch dünn ist und sich mit dem Finger leicht abreiben lässt. Sie sind jedoch nicht lagerfähig, sondern direkt für die Sommer-Küche gedacht.

Lagersorten für den Winter erntet man dagegen erst, wenn das gesamte Kraut der Pflanze komplett braun, welk und trocken ist. Die Schale ist dann nämlich sehr fest und robust. Man hebt die Pflanzen bei der Ernte vorsichtig mit einer tiefen Grabegabel* aus dem Boden. Dabei sollte man Verletzungen der Knolle vermeiden, da beschädigte Kartoffeln im Keller sonst schnell faulen.

Die perfekte Lagerung

Kartoffeln bleiben monatelang haltbar, wenn man sie nach der Ernte richtig lagert. Ideal sind dabei konstante Temperaturen zwischen 4-8°C, zum Beispiel in einem alten Naturkeller oder frostfreien Schuppen. Dunkelheit ist außerdem Pflicht, damit sie nicht grün und giftig werden.

Man lagert sie lose in luftigen Holzkisten oder atmungsaktiven Säcken aus Jute. Allerdings sollte man nie geschlossene Plastiktüten verwenden, da sie darin sofort schwitzen und faulen.

Die ausgegrabenen Knollen lässt man nach der Ernte einen ganzen Tag offen trocknen. Die trockene Erde bürstet man danach nur grob ab, aber die Kartoffeln wäscht man nicht! Die restliche Erdschicht wirkt nämlich wie ein natürlicher Schutzmantel.

Knollen mit Verletzungen oder kleinen Faulstellen muss man außerdem aussortieren und sofort in der Küche nutzen, bevor sie die anderen anstecken.

Wichtig ist zudem: Man sollte Kartoffeln nicht neben Obst lagern. Äpfel und Birnen geben nämlich bei der Reifung das Gas Ethylen ab, das die Kartoffeln schnell treiben und keimen lässt.

So gelagert bleiben robuste Sorten wie Agria oder Laura oft problemlos bis tief ins nächste Frühjahr hinein frisch und knackig.

Rezeptidee: Frischer Kartoffelsalat für die Grillzeit

Mit den eigenen, frisch geernteten Kartoffeln schmeckt dieser klassische Salat am besten. Das Rezept kommt dabei komplett ohne schwere Mayonnaise aus. Dadurch schmeckt er leicht, fein würzig und bleibt außerdem auch bei sommerlicher Wärme auf dem Buffet lange gut.

Etwa 1 kg festkochende Kartoffeln wie Linda kocht man in reichlich Wasser mit Schale gar. Man schält sie, solange sie noch warm sind, und schneidet sie dann in gleichmäßige Scheiben.

In einer großen Schüssel verrührt man anschließend 200 ml heiße Gemüsebrühe mit 3-4 EL mildem Apfelessig, 1 TL Senf, 1 TL Zucker, Salz und frischem Pfeffer. Zum Schluss gibt man 3 EL gutes Pflanzenöl wie Raps- oder Sonnenblumenöl dazu und verrührt alles. Dieses warme Dressing gießt man sofort über die noch warmen Kartoffelscheiben und lässt sie abkühlen. Das ist nämlich wichtig, damit die Kartoffeln den Geschmack der Brühe aufsaugen.

Jetzt kommen frische Zutaten in den abgekühlten Salat: Eine kleine Salatgurke und eine gute Handvoll Radieschen schneidet man in dünne Scheiben. Dazu hackt man frische Gartenkräuter wie Schnittlauch und Petersilie fein. Man vermischt alles vorsichtig miteinander und lässt den Salat vor dem Servieren noch mehrere Stunden im Kühlschrank durchziehen.

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Weitere Rezepte für die eigene Ernte findest du im Artikel Spinat Pesto selber machen.

 

 

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