Rhabarber pflanzen und pflegen, der komplette Guide für eine reiche Ernte

Du willst Rhabarber pflanzen oder fragst dich, warum dein bestehender Rhabarber nur dünne Stiele liefert? In diesem Artikel zeige ich dir alles, was beim Anbauen wirklich zählt, vom richtigen Standort über die Pflanzung bis hin zur Pflege übers ganze Jahr.
Rhabarber ist eine der dankbarsten Stauden im Selbstversorger-Garten. Einmal richtig gepflanzt, kann er bis zu zehn Jahre am gleichen Standort stehen und dir jedes Frühjahr eine zuverlässige Ernte schenken. Trotzdem ist er ein klassischer Starkzehrer, der ein paar Dinge braucht, um wirklich gut zu wachsen.
In meinem Garten steht Rhabarber seit vielen Jahren und ich habe einiges ausprobiert. Manches hat funktioniert, anderes weniger. Die wichtigsten Erfahrungen aus meinem Beet teile ich hier mit dir.
Warum Rhabarber anbauen sich wirklich lohnt
Rhabarber gehört zu den Knöterichgewächsen und ist eine echte Dauerkultur. Im Herbst zieht sich die Pflanze in ihr dickes Rhizom unter der Erde zurück und treibt im Frühjahr wieder neu aus. Dabei wird sie von Jahr zu Jahr kräftiger und liefert mehr Ertrag.
Was viele unterschätzen: Rhabarber ist extrem winterhart. Er übersteht problemlos Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt und braucht im Beet keinen Winterschutz. Krankheiten und Schädlinge machen ihm selten zu schaffen. Das macht ihn zu einer perfekten Pflanze für Anfänger, die wenig Pflegeaufwand wollen, aber trotzdem regelmäßig ernten möchten.
Außerdem ist er vielseitig in der Verwendung. Vom klassischen Kompott über Kuchen bis zu fruchtigem Sirup gibt es viele Möglichkeiten, eine größere Ernte zu verarbeiten.
Der richtige Standort fürs Rhabarber pflanzen
Bevor du an die Pflege denkst, kommt der Standort. Hier werden die meisten Fehler gemacht und das rächt sich später jahrelang.
Rhabarber liebt einen sonnigen bis halbschattigen Platz. An einer reinen Schattenstelle bildet er nur dünne, kümmerliche Stiele aus. Wichtig ist außerdem, dass der Standort windgeschützt ist, denn die großen Blätter werden sonst leicht beschädigt.
Der Boden sollte folgende Eigenschaften haben:
- Tiefgründig, weil Rhabarber ein Tiefwurzler ist
- Nährstoffreich und humos
- Locker und gut durchlässig
- Gleichmäßig feucht, aber niemals staunass
- pH-Wert zwischen 5,6 und 7,2
Ein lehmig-sandiger Boden ist ideal. Bei reinem Sandboden arbeitest du vor der Pflanzung Kompost und etwas Lehm ein, bei schwerem Lehm hilft Sand zur Auflockerung.
Bei mir hat sich bewährt, dem Rhabarber wirklich genug Platz zu geben. Pro Pflanze rechne ich mit einem guten Quadratmeter, weil die Staude über die Jahre mächtig wird. Auch der Abstand zu Wänden, Wegen oder anderen Pflanzen sollte mindestens 50 cm betragen.
Wann ist die beste Zeit zum Rhabarber pflanzen
Es gibt zwei sinnvolle Pflanzzeitpunkte. Beide haben ihre Berechtigung, je nachdem, was dir besser in den Kram passt.
Pflanzung im Herbst (Oktober)
Der Klassiker und meine Empfehlung. Die Pflanze hat genug Zeit, sich vor dem Winter einzuwurzeln, und die Winterniederschläge sorgen für die nötige Feuchtigkeit. Im nächsten Frühjahr startet sie dann gut versorgt durch.
Pflanzung im Frühjahr (März/April)
Geht ebenfalls, aber dann musst du auf regelmäßiges Gießen achten. Die Frühjahrstrockenheit kann jungen Pflanzen sonst stark zusetzen.
Im Handel bekommst du Rhabarber meistens als Rhizomstücke oder als Topfpflanze. Topfpflanzen kannst du theoretisch das ganze Jahr über setzen, am wohlsten fühlen sie sich aber bei Frühjahrs- oder Herbstpflanzung. Wer eine Sorte mit längerer Erntezeit möchte, sollte den immertragenden Rhabarber ‚Livingstone’* ausprobieren, der lässt sich von Mai bis Oktober beernten und enthält weniger Oxalsäure.
Rhabarber pflanzen Schritt für Schritt
Wenn Standort und Zeitpunkt stimmen, geht es ans Eingemachte. So pflanzt du Rhabarber richtig:
- Boden tiefgründig auflockern, mindestens 50 cm tief
- Unkraut komplett entfernen, vor allem Wurzelunkräuter wie Quecke
- Pflanzloch mit etwa 50 cm Durchmesser ausheben
- Kompost und Bio-Hornspäne* ins Pflanzloch einarbeiten
- Wurzelballen vor dem Setzen in einen Eimer Wasser stellen, falls trocken
- Pflanze so tief setzen, dass nur die Augen oder Stiele aus der Erde schauen
- Erde gut andrücken und durchdringend angießen
- Bei Bedarf eine Mulchschicht aus Laub oder Stroh auftragen
Für den Start eignen sich klassische Blut-Rhabarber-Knollen* wunderbar, weil sie früh austreiben und kräftige rote Stiele liefern.
Im ersten Standjahr solltest du die Pflanze nicht beernten. Das fällt schwer, ich weiß, aber sie braucht die Kraft, um sich zu etablieren. Im zweiten Jahr darfst du vorsichtig ein paar Stiele nehmen, ab dem dritten Jahr richtig zugreifen.

Rhabarber pflegen durchs ganze Gartenjahr
Die wichtigsten Pflegeschritte verteilen sich auf vier Phasen.
Frühjahr (Februar bis April)
Sobald der Boden nicht mehr gefroren ist, kommt die erste Düngung. Ich gebe meinem Rhabarber dann eine ordentliche Ladung reifen Kompost und ergänze mit Hornspänen für die Langzeitversorgung. Mulchschicht aus dem Vorjahr entferne ich nur grob, der Rest darf langsam vermodern.
Frühsommer (Mai bis Juni)
Hauptwachstums- und Erntezeit. Jetzt braucht der Rhabarber viel Wasser. An heißen Tagen gieße ich ordentlich, immer durchdringend und nicht zu oft. Lieber einmal richtig als zehnmal zu wenig. Blütenansätze brichst du jetzt aus, mehr dazu gleich.
Hochsommer (Ende Juni bis August)
Erntestopp am Johannistag (24. Juni) und kurz danach kommt die zweite Düngung. Die Pflanze braucht jetzt Kraft für das nächste Jahr. Ich nutze dafür gut verrotteten Stallmist oder Kompost, gerne mit etwas Hornmehl gemischt. Auch ein Bio-Beerendünger* funktioniert hier richtig gut, weil er ähnliche Bedürfnisse wie beim Beerenobst abdeckt.
Herbst und Winter (September bis Januar)
Im Herbst ziehen die Blätter ein und werden gelb. Bitte stehen lassen, sie sind ein natürlicher Winterschutz für das Rhizom. Erst im zeitigen Frühjahr räumst du die abgestorbenen Reste ab. Im Pflanzjahr decke ich junge Pflanzen mit etwas Winter-Garten-Vlies* oder Reisig ab. Etablierte Stauden brauchen das nicht.
Düngen, das A und O für kräftige Stiele
Rhabarber ist ein Starkzehrer. Wer sich beim Düngen zurückhält, erntet später nur dünne Stiele. Hier mein bewährter Rhythmus:
- Februar/März: Erste Düngung mit Kompost und Hornspänen, oberflächlich einarbeiten
- Während der Wachstumsphase: Bei Bedarf flüssig nachdüngen mit Brennnesseljauche
- Ende Juni: Zweite Düngung nach dem Erntestopp mit Stallmist oder Kompost
- November: Eine Schicht Kompost oder verrotteter Mist als Winterdecke
Kaffeesatz funktioniert grundsätzlich auch, hat aber eine versauernde Wirkung. Pro Saison eine Handvoll oberflächlich einarbeiten reicht völlig. Mehr nicht, sonst verschiebst du den pH-Wert ins Saure.
Auch zu viel Stickstoff ist nicht gut. Dann wachsen zwar viele Blätter, die Stiele bleiben aber dünn und wässrig.
Was tun, wenn dein Rhabarber blüht
Eine der häufigsten Fragen überhaupt. Wenn der Rhabarber blüht, ist das erstmal kein Drama, aber ein Zeichen.
Die Pflanze setzt Blüten an, sobald sie drei bis vier Monate Temperaturen unter 10 Grad hatte. Klassisch nach einem kalten Winter also. Diese Blütenstände werden bis zu zwei Meter hoch und sehen wirklich beeindruckend aus.
Das Problem: Die Blütenbildung kostet viel Kraft, die der Pflanze dann beim Stielwachstum fehlt. Wer eine reiche Ernte will, bricht die Blütenknospen im April oder spätestens Mai aus.
Wichtig dabei: Die Blütenstiele werden nicht abgeschnitten, sondern tief am Boden herausgedreht. Schnittstellen bilden sonst Stummel, die zur Fäulnis neigen.
Wenn dein junger Rhabarber schon im ersten Jahr blüht, ist das ein Warnsignal. Meistens steckt Staunässe oder Nährstoffmangel dahinter.
Übrigens, die Blütenknospen sind essbar. Du kannst sie wie Brokkoli kurz dünsten und mit einer leichten Sauce servieren. Lecker und ein echter Geheimtipp.
Rhabarber richtig ernten ohne der Pflanze zu schaden
Hier kommt einer der wichtigsten Punkte überhaupt. Die Erntetechnik beim Rhabarber ist anders als bei den meisten Gemüsearten.
Die Erntezeit beginnt im April und endet traditionell am 24. Juni, dem Johannistag. Bis maximal Anfang Juli kannst du noch ernten, danach steigt der Oxalsäuregehalt zu stark und die Pflanze braucht Ruhe.
So gehst du beim Ernten vor:
- Stiel am Ansatz greifen und mit einer Drehbewegung herausziehen, NICHT abschneiden
- Niemals mehr als ein Drittel bis maximal die Hälfte der Stiele auf einmal ernten
- Im ersten Standjahr gar nicht ernten, im zweiten nur wenige Stiele
- Die Blätter direkt am Feld abschneiden und auf dem Kompost entsorgen
Warum das Drehen so wichtig ist: An Schnittstellen können sich Krankheitserreger wie das gefürchtete Rhabarbermosaikvirus festsetzen. Mit der Drehmethode bleibt die Pflanze gesund.
Wenn du dann eine ordentliche Ernte vor dir hast, kannst du daraus wunderbar Rhabarbersirup selber machen. Mein Standardrezept hat in der Vergangenheit immer funktioniert und der Sirup hält monatelang.

Rhabarber im Topf oder Hochbeet anbauen
Auch ohne Garten geht Rhabarber, wenn auch mit Einschränkungen. Im Topf oder Kübel ist es nur eine Übergangslösung, weil die Pflanze sich eigentlich gerne richtig ausbreitet.
Was du beim Rhabarber im Topf pflanzen beachten solltest:
- Topfgröße mindestens 40 Liter, besser 50 Liter
- Schwerer Topf aus Stein, Beton oder Terrakotta, damit nichts umfällt
- Drainage am Boden, zum Beispiel aus Blähton
- Tomaten- und Gemüseerde mit etwas Lehmanteil
- Häufiger gießen als im Beet, weil weniger Substrat
- Im Winter Topf an Hauswand stellen und mit Frostschutzvlies aus Schafwolle* umwickeln
Im Hochbeet funktioniert Rhabarber besser als im Topf. Dort hat er mehr Platz und das Substrat trocknet nicht so schnell aus. Plane aber pro Pflanze etwa einen Quadratmeter ein. Eine gute Drainage am Boden des Hochbeets ist Pflicht, weil Staunässe das Schlimmste für Rhabarber ist.
Krankheiten und Schädlinge erkennen
Rhabarber ist robust, aber nicht völlig immun. Diese Probleme können auftauchen:
Blattflecken
Bei feuchtwarmer Witterung können braune Flecken mit gelbem oder rotem Rand erscheinen. Befallene Blätter großzügig entfernen und im Restmüll entsorgen, NICHT auf den Kompost.
Rhabarbermosaikvirus
Selten, aber gefährlich. Erkennbar an gelblich-mosaikartigen Verfärbungen oder gewölbten Blättern. Hier hilft nur eines, die ganze Pflanze samt Wurzelstock entfernen und keine neue an dieselbe Stelle setzen.
Blattläuse
Können vorkommen, sind aber meist gut beherrschbar. Mit einem starken Wasserstrahl abspritzen oder Marienkäfer ansiedeln.
Wenn dein Rhabarber dünne Stiele bildet, liegt das fast immer an einer dieser drei Ursachen: zu wenig Sonne, zu wenig Nährstoffe oder die Pflanze ist überaltert und braucht eine Verjüngung.
Rhabarber teilen und vermehren
Nach etwa sieben bis acht Jahren wird dein Rhabarber irgendwann müde. Die Stiele werden dünner, der Ertrag sinkt. Jetzt ist Zeit für die Verjüngung.
Der beste Zeitpunkt zum Teilen ist der Herbst, wenn die Blätter eingezogen sind, oder das zeitige Frühjahr vor dem Austrieb.
So gehst du vor:
- Wurzelstock seitlich mit einem scharfen Spaten freilegen
- Faustgroße Stücke abtrennen, jedes mit mindestens zwei Augen
- Beschädigte oder weiche Stellen entfernen
- Die Teilstücke an einer neuen, gut vorbereiteten Stelle einpflanzen
- Mindestens 3 bis 5 Jahre Anbaupause am alten Standort einhalten
Bei mir hat sich bewährt, die kräftigsten Außenstücke des Rhizoms zu nehmen und die alte Mitte auf den Kompost zu geben. Die Außenbereiche sind weniger verholzt und treiben besser an.
Mein Fazit zum Rhabarber anbauen
Rhabarber ist eine der dankbarsten Stauden überhaupt im Selbstversorger-Garten. Mit dem richtigen Standort, einer ordentlichen Pflanzung und ein paar Pflegehandgriffen schenkt er dir jedes Jahr eine reiche Ernte über viele Jahre hinweg.
Bei mir gehört der Rhabarber inzwischen so selbstverständlich zum Frühjahr wie der erste Spargel oder die Erdbeerblüte. Die kurze Saison von April bis Juni nutze ich intensiv und mache Sirup, Kompott oder einfach klassischen Kuchen.
Wenn du gerade vor einer richtigen Rhabarber-Schwemme stehst, schau dir gerne meinen Beitrag Rhabarberkompott einkochen an. Damit bekommst du auch größere Mengen ganz easy ins Vorratsregal.
Hast du eigene Erfahrungen mit dem Rhabarber pflanzen oder einen Tipp, der bei dir besonders gut funktioniert? Ich freue mich, wenn du das in den Kommentaren mit mir teilst.
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