Waldmeister Sirup selber machen: so geht das Grundrezept

Waldmeister gehört zu den Kräutern, die fast jeder kennt, aber kaum jemand selbst verarbeitet. Dabei ist ein selbstgemachter Waldmeister Sirup einer der einfachsten Sirups überhaupt. Du brauchst nur wenige Zutaten, etwas Geduld und einen Waldspaziergang zur richtigen Zeit.
Die Saison ist kurz. Von Ende April bis in den Mai wächst Waldmeister in vielen deutschen Laubwäldern in dichten Teppichen am Boden. Wer ihn verpasst, muss ein Jahr warten.
Ich habe meinen ersten Waldmeister Sirup mit einer Handvoll Sträucher aus dem Wald hinter unserem Haus gemacht, mehr oder weniger als Experiment. Seitdem koche ich jeden Mai eine kleine Vorratsmenge ein. Der Unterschied zum gekauften Sirup ist enorm.
Das Wichtigste zuerst: der Anwelk-Schritt
Frisch gepflückter Waldmeister hat kaum Aroma. Das klingt seltsam, ist aber so. Das typische, süßlich-waldige Waldmeisteraroma entsteht erst, wenn die Pflanze anwelkt. Beim Welken wird das in den Blättern enthaltene Cumaringlycosid in Cumarin umgewandelt, und genau das ist der charakteristische Geruch und Geschmack.
Ohne diesen Schritt bekommst du einen Sirup, der grün und süß ist, aber nicht nach Waldmeister schmeckt.
Was zu tun ist: Den geernteten Waldmeister zu einem losen Bund zusammenbinden, kopfüber aufhängen und mindestens einen Tag, besser zwei, anwelken lassen. Du merkst es daran, dass er anfängt zu duften.
Tipp zum Beschleunigen: Ein kurzes Einfrieren für einige Stunden hat denselben Effekt wie das Anwelken. Falls du es eilig hast, funktioniert das genauso gut.
selbstgemachter Waldmeister Sirup ist nicht grün
Das überrascht viele: Echter, selbstgemachter Waldmeister Sirup hat keine grüne Farbe. Er ist honiggelb bis bernsteinfarben. Die leuchtend grüne Farbe, die man aus Kaufsirups kennt, kommt ausschließlich von Lebensmittelfarbe. Mit dem Waldmeister selbst hat sie nichts zu tun.
Wer den grünen Look für eine Maibowle oder ein Cocktailglas möchte, kann am Ende ein paar Tropfen natürliche Lebensmittelfarbe einrühren. Pflichtprogramm ist das aber nicht. Geschmacklich spielt es keine Rolle.

Waldmeister Sirup selber machen: das Grundrezept
Zutaten für ca. 750 ml Sirup:
- 30–40 g frischer Waldmeister (angewelkt)
- 500 ml Wasser
- 400 g Zucker
- 1 Bio-Zitrone, in Scheiben
Zubereitung Schritt für Schritt:
Schritt 1: Anwelken. Waldmeister zu einem Bund binden, kopfüber aufhängen und 1–2 Tage anwelken lassen bis er duftet.
Schritt 2: Zuckersirup kochen. Wasser und Zucker in einen Topf geben, unter Rühren aufkochen bis sich der Zucker vollständig aufgelöst hat. Vom Herd nehmen und auf etwa 40 Grad abkühlen lassen.
Schritt 3: Einlegen. Den Waldmeisterbund kopfüber in den abgekühlten Zuckersirup hängen. Wichtig: Die Stängelenden sollen aus dem Sirup herausragen und nicht eingetaucht sein. Das sorgt für mehr Aroma bei weniger Cumarinübertritt. Zitronenscheiben dazugeben.
Schritt 4: Ziehen lassen. 2–3 Tage bei Zimmertemperatur oder im Kühlschrank zugedeckt ziehen lassen.
Schritt 5: Absieben und einkochen. Den Waldmeister und die Zitronenscheiben herausnehmen, den Sirup durch ein feines Sieb gießen, nochmals kurz aufkochen und sofort heiß in sterilisierte Flaschen abfüllen.
Haltbarkeit: Kühl und dunkel gelagert hält sich der verschlossene Sirup etwa sechs Monate. Nach dem Öffnen im Kühlschrank aufbewahren und innerhalb einiger Wochen verbrauchen.
Ich fülle meinen Sirup immer in diese Bügelflaschen*, die sehen schön aus und lassen sich problemlos sterilisieren.
Waldmeister Sirup ohne Zucker
Wer auf normalen Haushaltszucker verzichten möchte, kann Birkenzucker (Xylit) als Ersatz verwenden. Birkenzucker hat einen niedrigen glykämischen Index und beeinflusst den Blutzucker kaum. Er kann im Verhältnis 1:1 eingesetzt werden, schmeckt aber etwas süßer, weshalb du ruhig ein Drittel weniger nehmen kannst.
Wichtiger Hinweis: Birkenzucker in größeren Mengen kann bei manchen Menschen Verdauungsbeschwerden auslösen. Das gilt besonders für Kinder. Für Hunde ist Birkenzucker grundsätzlich giftig.
Was du mit dem Waldmeister Sirup machen kannst
Waldmeister Limonade: 1 Teil Sirup mit 8 Teilen kaltem Mineralwasser mischen, Zitronenscheibe dazu, fertig. Das ist die einfachste und erfrischendste Verwendung.
Maibowle: Der Klassiker. Pro Liter Bowle rechnet man mit etwa einem bis zwei Esslöffeln Sirup. Die klassische Version: Weißwein, Sekt und etwas Waldmeister Sirup, gut gekühlt servieren.
Waldmeister Hugo: Den Holunderblütensirup im normalen Hugo-Rezept einfach durch Waldmeister Sirup ersetzen. Sekt, Mineralwasser, frische Minze, eine Scheibe Limette.
Waldmeister Eis: Sirup unter eine Vanille-Eiscremebase rühren oder einfach pur in Eisformen füllen und einfrieren.
Desserts und Torten: Ein Schuss Waldmeister Sirup über Panna Cotta, in Joghurt gerührt oder als Tränke für Biskuitböden.

Cumarin: wie viel ist unbedenklich
Waldmeister enthält Cumarin, das in sehr hohen Mengen leberschädigend wirken kann. In normaler Verwendung als Sirup oder Bowle ist das kein Problem. Die empfohlene Dosierung für eine Maibowle liegt bei drei Gramm frischem Waldmeister pro Liter Flüssigkeit.
Wer den Sirup nach dem Rezept oben herstellt und normal verwendet, muss keine Nebenwirkungen befürchten. Waldmeister in Industriemengen zu sich zu nehmen wäre ein anderes Thema, das ist aber schlicht nicht realistisch.
Fazit
Waldmeister Sirup selber machen ist unkomplizierter als es klingt. Der einzige Schritt, der Vorbereitung braucht, ist das Anwelken. Alles andere ist schnell erledigt. Und der Unterschied zum Kaufprodukt, im Geschmack und im Bewusstsein, ist es absolut wert.
Wo du Waldmeister sicher findest und erkennst, steht hier: Wildkräuter im Mai sammeln
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