Holunderblütensirup selber machen und den Sommer in Flaschen einfangen

Jedes Jahr gibt es diesen einen Moment. Die weißen Dolden hängen an den Sträuchern, die Luft riecht süßlich-blumig und irgendwie nach Kindheit. Wer diesen Duft kennt, weiß: Holunderzeit. Holunderblüten haben ein kurzes Fenster. Von Ende Mai bis etwa Mitte Juni stehen sie in voller Blüte. Wer zu lange wartet, verpasst die beste Ernte. Aber wer rechtzeitig sammelt, hat den ganzen Sommer etwas davon.
Ich zeige dir heute, wie du aus frischen Holunderblütendolden einen aromatischen Holunderblütensirup selber machst. Das Rezept ist einfach, die Zutaten überschaubar und das Ergebnis hält sich bis zu einem Jahr.
Wann und wo du Holunderblüten sammelst
Der richtige Zeitpunkt macht beim Sammeln den Unterschied. Die Dolden sollten cremefarben bis schneeweiß sein und intensiv duften. Grünliche oder bereits bräunliche Blüten lässt du besser stehen. Sie sind entweder noch nicht reif oder schon zu weit.
Pssst: Am besten sammelst du an einem sonnigen Vormittag. Dann sitzen die ätherischen Öle am dichtesten in den Blüten und der Sirup wird besonders aromatisch.
Schwarzen Holunder findest du an Waldrändern, Bachläufen, auf Wiesen und an Wegrändern. Er wächst fast überall in Deutschland. Achte beim Sammeln darauf, Dolden nicht direkt an stark befahrenen Straßen zu pflücken.
Der Schwarze Holunder gehört botanisch zur Familie der Moschuskrautgewächse und wurde früher als „Hausapotheke des kleinen Mannes“ bezeichnet. Nicht nur die Blüten, sondern auch die Beeren, die Rinde und die Blätter wurden medizinisch genutzt. Die Römer setzten ihn bereits vor über 2000 Jahren ein.
Für ein Liter Sirup brauchst du etwa 10 Holunderblütendolden. Für einen Vorrat der wirklich reicht, sammle ruhig das Doppelte. In meiner Anfangszeit habe ich immer zu wenig gesammelt und stand dann mit drei mickrigen Fläschchen da. Mittlerweile nehme ich gleich einen großen Korb mit.
Diese Zutaten brauchst du für den Holunderblütensirup
Das Rezept ist herrlich übersichtlich. Für etwa 1,5 Liter fertigen Sirup brauchst du:
- 15 bis 20 frische Holunderblütendolden
- 1 Liter Wasser
- 1 Kilogramm Zucker
- 2 Bio-Zitronen
- 1 Teelöffel Zitronensäure
Beim Zucker gilt: Das Verhältnis von Wasser zu Zucker muss mindestens 1 zu 1 betragen. Erst ab dieser Konzentration bindet der Zucker das Wasser vollständig und der Sirup hält sich ungekühlt. Wer weniger Zucker nimmt, muss den Sirup im Kühlschrank aufbewahren und zügig verbrauchen.
Die Zitronensäure sorgt für zwei Dinge: Geschmack und Haltbarkeit. Sie ist günstig, lange haltbar und im Supermarkt oder online leicht zu finden. Ich kaufe sie immer auf Vorrat, sie gehört bei mir zur Grundausstattung für die Einmachsaison.
Für ein sauberes Abfüllen brauchst du außerdem ein feines Passiertuch oder ein sauberes Geschirrtuch sowie sterilisierte Flaschen. Ich verwende am liebsten diese Bügelflaschen aus Glas*, weil sie sich schön verschenken lassen und sich jahrelang wiederverwenden lassen.

Holunderblüten vorbereiten – ein wichtiger Schritt
Hier machen viele den ersten Fehler: Die Blüten waschen.
Das klingt sinnvoll, ist aber kontraproduktiv. Wasser wäscht das Blütenaroma weg. Schüttle die Dolden stattdessen nur kräftig aus, damit eventuelle Insekten herausfallen.
Die groben Stiele der Dolden schneidest du möglichst weit ab. Sie enthalten Bitterstoffe, die deinen Sirup sonst unangenehm bitter machen können.
Ich habe das in meinem ersten Jahr ignoriert. Der Sirup war trinkbar, aber deutlich herber als erwartet. Seitdem schneide ich die Stiele immer sorgfältig zurück.
So machst du den Holunderblütensirup Schritt für Schritt
Den Ansatz zubereiten:
Spüle die Bio-Zitronen heiß ab und schneide sie in Scheiben. Gib die Zitronenscheiben zusammen mit den Holunderblütendolden in einen großen Topf oder ein sauberes Gefäß.
Koche das Wasser mit dem Zucker in einem separaten Topf auf und rühre dabei gelegentlich um, bis sich der Zucker vollständig aufgelöst hat. Ziehe den Topf vom Herd und gib die Zitronensäure hinzu.
Gieße den noch heißen Zuckersirup über die Blüten und Zitronenscheiben. Lasse alles abkühlen und decke das Gefäß ab.
Ziehen lassen:
Stelle das Gefäß für 24 Stunden an einen kühlen Ort. Kein Kühlschrank nötig, ein kühles Eck in der Küche oder der Keller reichen völlig aus. Rühre zwischendurch einmal durch.
Abseihen und abfüllen:
Gieße den Holunderblütensud durch ein mit einem Passiertuch ausgelegtes Sieb in einen Topf. Drücke die Blüten dabei gut aus, damit du das ganze Aroma herausholst.
Bringe den gefilterten Sirup noch einmal kurz auf, schöpfe den entstehenden Schaum ab und fülle ihn sofort heiß in deine sterilisierten Flaschen. Verschließe sie sofort fest.
Beschrifte jede Flasche mit dem Herstellungsdatum. Das klingt selbstverständlich, aber ich stehe jedes Jahr vor unbeschrifteten Flaschen und rätsle. Seitdem klebt das Etikett bevor die Flasche kalt ist.
Wie du den Holunderblütensirup richtig lagerst
Dunkel und kühl gelagert hält sich der Sirup ungeöffnet bis zu einem Jahr. Der Keller ist ideal. Eine geöffnete Flasche kommt in den Kühlschrank und sollte innerhalb weniger Wochen aufgebraucht werden.
Mit kleinen 250-ml-Flaschen abgefüllt vermeidest du, dass angebrochene Vorräte zu lange stehen. Ich fülle meinen Sirup grundsätzlich in kleine Flaschen ab. So hat man immer eine griffbereit und die anderen bleiben länger haltbar.
Was du mit dem fertigen Holunderblütensirup anfangen kannst
Holunderblütensirup ist erstaunlich vielseitig. Das Naheliegendste ist natürlich die Schorle: ein Teil Sirup auf vier Teile Mineralwasser und du hast das beste Sommergetränk überhaupt.
Aber damit ist noch lange nicht Schluss:
- Hugo klassisch oder alkoholfrei
- Erdbeermarmelade mit einem Schuss Sirup verfeinert
- Pfannkuchenteig aromatisiert
- Desserts und Torten, zum Beispiel ein Holunderblüten-Cheesecake
- Salatdressing mit Senf, Honig und einem Löffel Sirup
- Holunderblüten-Sorbet
Ich habe mal gelesen, dass Holunderblütensirup-Eiswürfel in einem Glas Sekt der beste Partydrink überhaupt sind. Ausprobiert, bestätigt.
Holunderblüten trocknen für den Wintervorrat
Wer mehr Dolden sammelt als er für Sirup braucht, kann den Rest trocknen. Getrocknete Holunderblüten ergeben einen wunderbaren Tee, der bei Erkältungen und grippalen Infekten hilft. Er wirkt schweißtreibend und schleimlösend.
Zum Trocknen die Dolden einfach auf einem sauberen Tuch ausbreiten und an einem luftigen, schattigen Ort für ein bis zwei Tage trocknen lassen. Nicht in der Sonne, die zerstört das Aroma.
Trocken und luftdicht aufbewahrt halten sich die Blüten bis zu einem Jahr.

Häufige Fragen zum Holunderblütensirup Rezept
Wie viele Dolden brauche ich für den Sirup? Als Faustregel gilt: etwa 10 Blütendolden auf einen Liter Wasser und ein Kilogramm Zucker. Wer einen intensiveren Geschmack möchte, nimmt 15 bis 20 Dolden.
Kann ich den Sirup auch ohne Zitronensäure machen? Ja, das geht. Durch das Aufkochen und den hohen Zuckeranteil bleibt der Sirup auch ohne Zitronensäure haltbar. Du brauchst dann aber deutlich mehr Zitronensaft für den nötigen Säureausgleich. Mit Zitronensäure ist Geschmack und Haltbarkeit einfach zuverlässiger.
Woran erkenne ich, ob der Holunder richtig reif ist zum Sammeln? Reife Blüten sind cremefarben bis schneeweiß und verströmen einen intensiven, süßlichen Duft. Grünliche Dolden sind noch nicht reif, bräunliche Blüten sind schon zu weit.
Kann ich den Sirup auch mit weniger Zucker machen? Mit weniger Zucker funktioniert das Rezept, aber der Sirup hält sich dann nicht ungekühlt. Er muss in den Kühlschrank und sollte innerhalb einer Woche verbraucht werden. Als Alternative zu Zucker eignet sich Xylit gut, es wirkt ebenfalls konservierend.
Wie lange kann ich Holunderblüten sammeln? Je nach Witterung öffnen sich die ersten Dolden Ende Mai. Die Saison dauert bis etwa Mitte bis Ende Juni. In höheren Lagen kann sie sich etwas verschieben. Wer regelmäßig schaut, verpasst den richtigen Zeitpunkt nicht.
Ein Ritual das sich lohnt
Holunderblütensirup selber machen ist eines dieser Dinge, die man einmal gemacht und dann nie wieder gelassen hat. Das Sammeln, der Duft in der Küche, die vollen Flaschen im Keller. Das macht etwas mit einem.
Ich stehe jedes Jahr im Juni draußen mit dem Korb und freue mich wie ein Kind. Ein paar Flaschen wandern ins Regal, ein paar werden verschenkt. Und bis der nächste Sommer kommt, ist der Vorrat meistens aufgebraucht.
Hast du schon einmal Holunderblütensirup selbst gemacht? Oder planst du es dieses Jahr zum ersten Mal? Ich freue mich über deine Erfahrungen in den Kommentaren!
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