Johannisbeerkuchen mit Baiser: der Oma-Klassiker mit roten Johannisbeeren

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Ende Juni ist Johannisbeersaison. Die Rispen hängen in Rot und die Frage ist jedes Jahr dieselbe: Was machen mit der ganzen Ernte? Gelee, Saft, Sirup, einfrieren. Alles gut. Aber der Johannisbeerkuchen mit Baiser ist das, was sich in den Köpfen hält. Der Kuchen, den Omas gebacken haben, weil er funktioniert, weil er aussieht wie etwas Besonderes und weil die Kombination aus säuerlichen Beeren und süßer Baiserhaube einfach stimmt.

Das Rezept ist ein Klassiker mit Mürbeteigboden, einer Schicht roter Johannisbeeren und einer gebackenen Baiserhaube. In Schwaben heißt er Träubleskuchen, in Österreich und Bayern Ribiselkuchen. Überall ist er Pflicht im Sommer.

Damit er wirklich gelingt, braucht er ein paar Handgriffe, die viele nicht kennen. Genau die zeige ich dir hier.

Was du wissen solltest, bevor du anfängst

Rote Johannisbeeren enthalten rund 41 mg Vitamin C pro 100 g. Das deckt fast die Hälfte des empfohlenen Tagesbedarfs eines Erwachsenen (95 mg für Frauen, 110 mg für Männer laut DGE). Der rote Farbstoff kommt von Anthocyanen, denselben Pflanzenstoffen wie in Heidelbeeren.

Wissensfakt: Schwarze Johannisbeeren haben mit rund 177 mg Vitamin C pro 100 g mehr als dreimal so viel wie eine Zitrone (ca. 53 mg). Das belegt die Bundesvereinigung der Erzeugerorganisationen Obst und Gemüse (BVEO). Für diesen Kuchen nimmt man trotzdem die roten, weil ihre Säure mit dem süßen Baiser besser zusammenpasst.

Was du brauchst (Springform 26 cm, 10 bis 12 Stücke)

Für den Mürbeteig:

  • 200 g Mehl (Type 405)
  • 100 g kalte Butter in Würfeln
  • 60 g Puderzucker
  • 1 Eigelb
  • 1 Prise Salz
  • 1 bis 2 EL kaltes Wasser

Für die Füllung:

  • 400 g frische rote Johannisbeeren, von den Rispen gestreift
  • 50 g Zucker
  • 2 EL Semmelbrösel oder gemahlene Mandeln (kein optionaler Schritt, dazu später mehr)

Für die Baiserhaube:

  • 4 Eiweiß (Zimmertemperatur)
  • 200 g feiner Zucker (Backzucker löst sich besser auf als normaler Haushaltszucker)
  • 1 TL Speisestärke
  • ein paar Tropfen Zitronensaft
  • 1 Prise Salz

Equipment: Eine Zenker Springform 26 cm PURE*  ist hierfür gut geeignet, auslaufsicher und mit ordentlicher Antihaftbeschichtung. Für den Baiser braucht man ein Handrührgerät mit Schneebesen*. Von Hand geht es theoretisch auch, aber das Eiweiß muss wirklich sehr steif werden, was ohne Gerät sehr anstrengend ist.

So wird der Kuchen gemacht

Schritt 1: Mürbeteig vorbereiten

Mehl, Puderzucker und Salz in eine Schüssel geben. Die kalte Butter dazugeben und mit den Fingerkuppen zu feinen Krümeln verreiben. Eigelb und 1 bis 2 EL kaltes Wasser dazugeben, alles schnell zu einer Kugel formen, in Frischhaltefolie wickeln.

Den Teig mindestens 30 Minuten in den Kühlschrank legen. Kalter Mürbeteig zieht sich beim Backen nicht zusammen und bleibt stabil. Beim Kneten gilt: Je kürzer, desto besser. Sobald die Zutaten zusammenkommen, aufhören.

Schritt 2: Boden vorbacken

Den Ofen auf 180 Grad Ober- und Unterhitze vorheizen. Den Teig auf leicht bemehlter Fläche ausrollen, in die Springform legen und einen Rand von ca. 3 cm hochziehen. Mit einer Gabel mehrfach einstechen.

Den Boden 12 bis 15 Minuten vorbacken, bis er hellgoldbraun ist. Das ist der entscheidende Trick gegen einen durchweichten Boden. Der vorgebackene Teig hat bereits eine Kruste, bevor der Johannisbeersaft überhaupt darauf kommt.

Den Boden kurz abkühlen lassen. Dann die Semmelbrösel oder gemahlenen Mandeln gleichmäßig darauf streuen. Diese Schicht saugt beim Backen den Fruchtsaft auf und hält den Boden knusprig.

Schritt 3: Johannisbeeren vorbereiten

Die Beeren waschen und von den Rispen streifen. Am schnellsten geht das mit einer Gabel: einfach die Zinken über die Rispe ziehen, die Beeren fallen direkt in die Schüssel. Mit 50 g Zucker mischen, auf dem vorbereiteten Boden verteilen.

Den Kuchen 15 bis 20 Minuten bei 180 Grad backen, bis die Beeren weich sind und Saft ziehen.

Schritt 4: Den Baiser schlagen, aber erst jetzt

Das Baiser wird erst gemacht, wenn der Kuchen bereits im Ofen ist. Eischnee, der lange steht, verliert seine Stabilität und fällt zusammen. Das ist einer der häufigsten Fehler bei diesem Kuchen.

Die Eiweiße in einer absolut fettfreien, trockenen Schüssel mit einer Prise Salz und ein paar Tropfen Zitronensaft schaumig schlagen. Den Zucker dann langsam, esslöffelweise, einrieseln lassen. Nicht alles auf einmal. Weiter schlagen, bis die Masse glänzt, steif ist und stabile Spitzen zieht. Das dauert gut 8 bis 10 Minuten. Zum Schluss die Speisestärke kurz unterschlagen.

Warum die fettfreie Schüssel so wichtig ist: Schon eine winzige Fettspur, auch vom Eigelb, verhindert, dass das Eiweiß steif wird. Die Schüssel vorher kurz mit einem Küchentuch und einem Tropfen Zitronensaft auswischen.

Der Test: Die Schüssel kurz auf den Kopf halten. Der Baiser bleibt ruhig drin sitzen. Dann ist er bereit.

Schritt 5: Baiser auftragen und fertig backen

Den Kuchen aus dem Ofen nehmen. Den Baiser auf den Johannisbeeren verteilen und ein paar Spitzen hochziehen. Diese karamellisieren beim Backen zu kleinen goldbraunen Punkten.

Den Kuchen zurück in den Ofen, weitere 20 bis 25 Minuten bei 180 Grad, bis der Baiser goldbraun ist. Falls er zu dunkel wird, locker eine Lage Backpapier darüberlegen.

Den Kuchen in der Form auskühlen lassen, mindestens 20 Minuten. Der Baiser setzt sich dabei und lässt sich dann sauber anschneiden.

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Die wichtigsten Gelingtipps

Damit der Baiser nicht zusammenfällt:

  • Schüssel und Rührstäbe immer absolut fettfrei
  • Zucker langsam einrieseln lassen, nicht alles auf einmal
  • Baiser erst schlagen, wenn der Kuchen bereits im Ofen ist
  • Zitronensaft und Speisestärke verwenden, beide stabilisieren den Eischnee
  • Nicht überschlagen: Die Masse soll glänzen und Spitzen ziehen, nicht stumpf und körnig aussehen

Damit der Boden nicht durchweicht:

  • Mürbeteigboden immer vorbacken, bevor die Beeren drauf kommen
  • Semmelbrösel oder gemahlene Mandeln auf den vorgebackenen Boden streuen
  • Den Teig vor dem Backen ausreichend kühlen

Welche Johannisbeeren eignen sich am besten

Für diesen Kuchen sind rote Johannisbeeren die erste Wahl. Sie sind säuerlicher als schwarze oder weiße, und genau diese Säure braucht man. Das Baiser ist sehr süß, die roten Beeren balancieren das aus.

Schwarze Johannisbeeren funktionieren ebenfalls, haben aber einen intensiveren Eigengeschmack, der nicht jedem liegt. Weiße Johannisbeeren sind milder und süßer, das Farbbild des Kuchens wird dadurch blasser.

Bewährte Sorten für den Garten: Rovada und Jonkheer van Tets sind ertragreich und verlässlich, auch in rauen Lagen. Roodneus ist eine ältere Sorte mit besonders aromatisch-säuerlichem Geschmack.

Was tun, wenn die Beeren sehr sauer sind

Beim Backen verliert sich ein großer Teil der Schärfe. Wenn du trotzdem sichergehen willst: Die Beeren mit etwas mehr Zucker mischen und 15 Minuten ziehen lassen. Der Zucker zieht Saft und mildert die Säure spürbar ab.

Gefrorene Johannisbeeren funktionieren auch, aber direkt aus dem Gefrierer auf den Boden geben, nicht vorher auftauen. Aufgetaute Beeren geben sehr viel Wasser ab und der Boden weicht durch.

Wie lange hält der Kuchen

Am ersten Tag ist er am besten: Baiser außen knusprig, innen weich, Boden fest. Ab dem zweiten Tag zieht der Kuchen Feuchtigkeit, der Baiser wird weicher. Bis Tag drei ist er bei kühler, dunkler Lagerung noch gut.

Einfrieren lohnt sich nicht. Der Baiser verliert beim Auftauen seine Struktur vollständig.

Kleine Abwandlungen

  • Einen EL gemahlene Mandeln unter die Johannisbeeren mischen: nussige Note, mehr Textur
  • Den Baiser mit einem Päckchen Vanillezucker aromatisieren: passt sehr gut zu den Beeren
  • Die Hälfte der roten Johannisbeeren durch Himbeeren ersetzen: milder, für Kinder zugänglicher
  • Für ein Blech (30 x 40 cm): alle Mengen verdoppeln

Was du mit dem Rest der Ernte machen kannst

Wenn der Strauch einmal voll hängt, reicht die Ernte für weit mehr als einen Kuchen. Johannisbeergelee und Sirup sind zwei der einfachsten Wege, die Beeren haltbar zu machen, und beide sind schnell gemacht.

→ Wie du aus roten Johannisbeeren Gelee und Sirup kochst, erkläre ich dir hier: Johannisbeeren verwerten: Gelee und Sirup selber machen

Fazit

Der Johannisbeerkuchen mit Baiser ist kein Kuchen, den man mal eben zusammenwirft. Er hat seine Schritte.

Aber er ist nicht schwer. Mit den Tricks aus diesem Artikel gelingt er beim ersten Versuch: Der Boden bleibt fest, der Baiser fällt nicht zusammen, und das Ergebnis sieht aus wie vom Bäcker. Wenn der Johannisbeerstrauch gerade voll hängt, ist das hier die beste Verwendung dafür.

 

 

 

 

 

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