Giersch Rezepte: was du aus dem hartnäckigen Gartenunkraut alles machen kannst

Giersch ist das Kraut, über das sich Hobbygärtner am meisten ärgern. Er wuchert, er kommt immer wieder, und er lässt sich kaum ausrotten. Was die meisten dabei übersehen: Er ist gleichzeitig eines der nährstoffreichsten Wildkräuter, die es bei uns gibt.
Ich habe lange gebraucht, bis ich meinen Frieden mit dem Giersch gemacht habe. In meinen ersten Gartenjahren habe ich ihn konsequent weggeworfen, jedes einzelne Blatt. Irgendwann kam der Moment, wo ich dachte: eigentlich riecht das ganz gut. Und dann habe ich das erste Giersch-Pesto gemacht. Seitdem sehe ich ihn komplett anders.
Hier kommen meine liebsten Giersch-Rezepte, sortiert von schnell bis etwas aufwändiger.
Was du über Giersch in der Küche wissen solltest
Bevor es losgeht, zwei Dinge, die ich mir am Anfang gewünscht hätte zu wissen.
Erstens: Nur junge Blätter verwenden. Ältere, dunkelgrüne Blätter werden deutlich kräftiger im Geschmack und können leicht bitter werden. Im Mai und Juni sind die hellgrünen, jungen Blätter am aromatischsten.
Zweitens: Die Wurzeln nicht essen. Im Rest der Pflanze kein Problem, aber die Wurzeln enthalten Falcarindiol, das in größeren Mengen Hautreizungen auslösen kann. Blätter, Stängel und Blüten sind bedenkenlos.
Giersch enthält bis zu dreizehnmal mehr Mineralstoffe als Grünkohl. Und viermal mehr Vitamin C als Zitronen. Das ist kein Unkraut, das ist Superfood.
Roh schmeckt Giersch nach frischer Petersilie mit einer leichten Möhrennote. Gegart wird er mild und spinatartig. Beides hat seinen Reiz, je nachdem was du kochen möchtest.
Rezept 1: Giersch-Pesto
Das ist mit Abstand das beliebteste Giersch-Rezept, und das aus gutem Grund. Es geht schnell, hält sich gut und lässt sich mit allem kombinieren: Pasta, Brot, Grillgemüse, Suppen als Einrühren.
Zutaten für 2 Gläser:
- 100 g frische Gierschblätter (nur die Blätter, ohne Stiele)
- 2 Knoblauchzehen
- 50 g Mandeln oder Walnüsse
- 50 g Parmesan, frisch gerieben
- 100 ml gutes Olivenöl
- Saft und Abrieb einer halben Bio-Zitrone
- Salz, Pfeffer

Zubereitung:
Gierschblätter gründlich waschen und gut trocken schütteln oder abtupfen, feuchte Blätter verdünnen das Pesto. Nüsse ohne Öl in der Pfanne kurz anrösten, das macht sie aromatischer. Alles in einen hohen Becher geben und mit dem Stabmixer pürieren. Wichtig: nur kurz und nicht zu fein, sonst wird’s bitter. Parmesan unterrühren und mit Salz, Pfeffer und Zitronensaft abschmecken.
Ich nutze dafür am liebsten diesen Stabmixer*, weil er kräftig genug für die faserigen Blätter ist und sich leicht reinigen lässt.
In saubere Schraubgläser füllen, Oberfläche mit Öl bedecken, fertig. Im Kühlschrank hält es sich zwei Wochen. Ohne Parmesan und Nüsse, also nur Giersch und Öl püriert, sogar deutlich länger.
Tipp zum Einfrieren: Giersch-Pesto lässt sich hervorragend einfrieren. Am besten in Eiswürfelformen portionieren, dann kannst du einzelne Würfel direkt in heiße Suppen oder Saucen geben.
Rezept 2: Giersch-Kräuterquark
Das schnellste Giersch-Rezept überhaupt. Fertig in fünf Minuten, passt zu Pellkartoffeln, als Dip zu Rohkost oder einfach auf Brot.
Zutaten für 2 Portionen:
- 250 g Magerquark oder Vollmilchquark
- 1 Handvoll frische Gierschblätter, fein gehackt
- 1 kleine Knoblauchzehe, optional
- Saft einer halben Zitrone
- Salz, Pfeffer
- 1 TL Olivenöl oder etwas Milch zum Cremigmachen

Zubereitung:
Gierschblätter waschen, trocken tupfen und so fein wie möglich hacken. Unter den Quark rühren, mit Zitrone, Salz und Pfeffer abschmecken. Wer es cremiger mag, gibt einen Schuss Milch oder einen Teelöffel Olivenöl dazu.
Wer keinen Knoblauch verträgt, lässt ihn weg. Der Giersch bringt selbst schon eine schöne würzige Note mit.
Rezept 3: Giersch-Cremesuppe
Diese Suppe funktioniert für alle, die Spinatsuppe mögen. Sie ist mild, cremig und deutlich interessanter als eine normale Kräutersuppe.
Zutaten für 4 Portionen:
- 200 g frische Gierschblätter
- 2 mittelgroße Kartoffeln, gewürfelt
- 1 Zwiebel, gewürfelt
- 1 Knoblauchzehe
- 700 ml Gemüsebrühe
- 100 ml Sahne oder Hafercreme
- Olivenöl zum Anschwitzen
- Salz, Pfeffer, Muskatnuss
- Optional: einen Klecks Sauerrahm und Gierschblüten zum Garnieren
Zubereitung:
Zwiebel und Knoblauch in Olivenöl glasig anschwitzen. Kartoffelwürfel dazugeben und kurz mitdünsten. Mit Gemüsebrühe aufgießen und die Kartoffeln bei mittlerer Hitze weichkochen, rund 15 Minuten. Dann die Gierschblätter dazugeben und nur kurz mitgaren, maximal zwei Minuten. Alles pürieren, Sahne einrühren, mit Salz, Pfeffer und einer Prise Muskat abschmecken.
Wichtig: Den Giersch wirklich erst zum Schluss dazugeben. Zu langes Kochen zerstört die Farbe und das Aroma.
Rezept 4: Giersch-Limonade
Das ist das Rezept, das die meisten überrascht. Eine Wildkräuter-Limonade mit Giersch klingt ungewöhnlich, schmeckt aber wunderbar frisch und leicht nach Wald.
Zutaten für 1 Liter:
- 1 große Handvoll frische Gierschblätter und -stängel
- 1 Bio-Zitrone, Saft und Scheiben
- 2–3 EL Honig oder Agavensirup, nach Geschmack
- 1 Liter kaltes Wasser oder Sprudelwasser

Zubereitung:
Giersch waschen und grob zerkleinern. Mit Zitronensaft, Honig und einem Glas Wasser kurz im Mixer oder mit dem Stabmixer pürieren. Dann durch ein feines Sieb oder ein Baumwolltuch abseihen, gut ausdrücken. Mit dem restlichen Wasser auffüllen, Zitronenscheiben dazugeben, kalt stellen und genießen.
Wer es noch aromatischer mag, gibt einen kleinen Zweig frische Minze dazu.
Giersch einfrieren: so sparst du die Ernte für den Winter
Giersch lässt sich wunderbar einfrieren und so über den Sommer hinaus nutzen. Blätter waschen, grob zerkleinern und roh in Gefrierbeuteln portionieren. Hält bis zu sechs Monate.
Im Winter dann direkt tiefgefroren in heiße Suppen oder Eintöpfe geben, wie Spinat. Oder aufgetautes Giersch-Pesto aus der Eiswürfelform in Nudelsoßen einrühren.
Ich habe mittlerweile immer ein paar Portionen im Tiefkühler. Giersch hat ja die angenehme Eigenschaft, den ganzen Sommer lang nachzuliefern, also nutze ich das.
Fazit
Wer Giersch im Garten hat, hat eigentlich Glück. Pesto, Quark, Suppe, Limonade: Die Möglichkeiten sind größer als man denkt, und der Aufwand ist gering. Der größte Schritt ist der erste: einmal kosten, und dann ist die Hemmschwelle meist weg.
Wenn du erst noch herausfinden willst, wo und wann du Giersch am besten sammelst, schau dir diesen Artikel an: Wildkräuter im Mai sammeln
*Affiliate-Hinweis: Dieser Beitrag enthält Produktempfehlungen in Form von Affiliate-Links. Wenn du über diese Links einkaufst, erhalte ich eine kleine Provision. Für dich bleibt der Preis natürlich gleich.


